少年维特的烦恼 德文版 Die Leiden des jungen Werther
歌德 Johann Wolfgang von Goethe
Am 18. Julius

 

Wilhelm, was ist unserem Herzen die Welt ohne Liebe! Was eineZauberlaterne ist ohne Licht! Kaum bringst du das Lämpchen hinein, soscheinen dir die buntesten Bilder an deine weiße Wand! Und wenn'snichts wäre als das, als vorübergehende Phantome, so macht's dochimmer unser Glück, wenn wir wie frische Jungen davor stehen und unsüber die Wundererscheinungen entzücken. Heute konnte ich nicht zuLotten, eine unvermeidliche Gesellschaft hielt mich ab. Was war zutun? Ich schickte meinen Diener hinaus, nur um einen Menschen um michzu haben, der ihr heute nahe gekommen wäre. Mit welcher Ungeduld ichihn erwartete, mit welcher Freude ich ihn wiedersah! Ich hätte ihngern beim Kopfe genommen und geküßt, wenn ich mich nicht geschämthätte.

Man erzählt von dem Bononischen Steine, daß er, wenn man ihn in dieSonne legt, ihre Strahlen anzieht und eine Weile bei Nacht leuchtet.So war mir's mit dem Burschen. Das Gefühl, daß ihre Augen auf seinemGesichte, seinen Backen, seinen Rockknöpfen und dem Kragen am Surtoutgeruht hatten, machte mir das alles so heilig, so wert! Ich hätte indem Augenblick den Jungen nicht um tausend Taler gegeben. Es war mirso wohl in seiner Gegenwart.--bewahre dich Gott, daß du darüberlachest. Wilhelm, sind das Phantome, wenn es uns wohl ist?

 

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